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100.000 E-Auto-Prämien: Schneider jubelt, die Rechnung läuft bis 2029

Comic-Illustration: blaues Elektroauto an einer Ladesäule, auf dem Dach ein Stapel Geldscheine mit roter Schleife, große Schrift 100.000 Prämien

Die Förderung läuft besser als erwartet. Das ist die gute und die teure Nachricht zugleich

Carsten Schneider ist zufrieden. Der Bundesumweltminister von der SPD sagte der „Bild“: „Das Förderprogramm hat unsere Erwartungen weit übertroffen und jetzt schon 100.000 Haushalte dabei unterstützt, sich vor den hohen Spritpreisen zu schützen.“

100.000 Antragsteller haben nach Regierungsangaben seit Mai Geld für ein Elektroauto bekommen. Das ist eine Zahl, mit der sich Politik gern schmückt. Man sollte sie trotzdem einmal in Ruhe auseinandernehmen.

Was gefördert wird

Gefördert werden Kauf und Leasing neuer Elektroautos. Dazu bestimmte Plug-in-Hybride, die mit Strom und mit Sprit fahren. Und Elektroautos mit sogenanntem Reichweitenverlängerer, also einem kleinen Verbrennungsmotor, der unterwegs nachlädt. Das Fahrzeug muss seit dem 1. Januar dieses Jahres zugelassen sein.

Wie viel Geld es gibt, hängt vom Fahrzeug ab, vom Einkommen und von der Familiengröße. Maximal sind es 6.000 Euro. Für die Jahre 2026 bis 2029 stehen insgesamt drei Milliarden Euro bereit. Nach Regierungsangaben reicht das für geschätzt 800.000 Fahrzeuge.

Teilt man die drei Milliarden durch 800.000, landet man bei rund 3.750 Euro pro Auto im Schnitt. Das ist eine einfache Rechnung, keine offizielle Angabe. Sie zeigt aber, mit welcher Größenordnung der Staat pro Wagen kalkuliert.

Die soziale Staffelung

Schneider legt Wert auf einen Punkt. „Besonders wichtig ist mir, dass die soziale Staffelung wirkt“, sagte er. Laut Ministerium haben drei Viertel der Antragsteller ein Haushaltseinkommen von höchstens 60.000 Euro. Das Geld komme Menschen zugute, die vorher nicht einmal daran gedacht hätten, sich ein E-Auto zu kaufen.

Das ist ein echter Unterschied zur alten Umweltprämie. Die stand lange in dem Ruf, vor allem Zweitwagen in gut verdienenden Haushalten zu subventionieren. Wenn die neue Prämie tatsächlich bei mittleren Einkommen ankommt, ist das ein Fortschritt. Belegen lässt sich das bisher nur mit der Angabe des Ministeriums. Eine unabhängige Auswertung gibt es noch nicht.

Die China-Frage

Vorab gab es eine Sorge: Profitieren am Ende vor allem chinesische Hersteller? Das Umweltministerium hat das zurückgewiesen. Nach ersten Auswertungen entfallen bislang weniger als 15 Prozent der Anträge auf Fahrzeuge aus China.

Weniger als 15 Prozent klingt beruhigend. Man kann es auch anders lesen. Fast jeder siebte geförderte Wagen kommt dann aus China, bezahlt mit deutschem Steuergeld. Ob das viel oder wenig ist, hängt davon ab, wen man fragt.

Spritpreise als Begründung

Bemerkenswert ist die Begründung. Schneider verkauft die Prämie nicht nur als Klimapolitik. Er verkauft sie als Schutz vor hohen Spritpreisen. Jedes zusätzliche Elektroauto mache Deutschland unabhängiger von teuren Ölimporten und internationalen Konflikten, sagte er.

Das ist ein neuer Ton. Früher hieß es CO2. Heute heißt es Tankrechnung. Das ist politisch klug, denn über den Preis an der Zapfsäule reden mehr Menschen als über Klimaziele.

Es hat aber eine Ironie. Dieselbe Regierung hat im April nach Angaben von energie-fachberater.de eine befristete Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel beschlossen. Sie subventioniert also das Tanken und den Ausstieg aus dem Tanken gleichzeitig. Beides mit dem Argument, die Menschen vor hohen Preisen zu schützen.

Erfolg oder Mitnahme?

100.000 Prämien in rund fünf Monaten. Das ist viel. Aber die Zahl beantwortet eine wichtige Frage nicht: Wie viele dieser Autos wären auch ohne Prämie gekauft worden? Das nennt man Mitnahmeeffekt. Er ist bei jeder Kaufprämie das große Fragezeichen.

Schneider sagt, das Geld erreiche Menschen, die vorher nicht an ein E-Auto gedacht hätten. Das mag stimmen. Messbar ist es aus den veröffentlichten Zahlen nicht. Die Regierung meldet Anträge und Auszahlungen. Sie meldet nicht, wie sich die Kaufentscheidungen ohne Förderung entwickelt hätten.

Und es gibt eine zweite Frage. Wenn das Programm die Erwartungen „weit übertroffen“ hat, wie lange reichen dann die drei Milliarden? Die Regierung plant mit 800.000 Fahrzeugen bis 2029. Nach fünf Monaten sind 100.000 erreicht, also ein Achtel. Bleibt das Tempo hoch, wird der Topf zum Thema, lange bevor 2029 kommt. Dann steht die nächste Regierungsrunde vor der Wahl: nachlegen oder abrupt beenden. Wie das endet, weiß jeder, der das plötzliche Aus der alten Umweltprämie miterlebt hat.

Was bleibt

Die E-Auto-Prämie wirkt. Sie wird abgerufen, sie erreicht nach Ministeriumsangaben auch mittlere Einkommen, und der China-Anteil ist kleiner als befürchtet. Das sind die Fakten, die Schneider nennt, und sie sind nicht klein.

Gleichzeitig ist die Prämie das, was jede Prämie ist: Steuergeld, das einen Kauf billiger macht. Ob sie den Markt dauerhaft dreht oder nur vorzieht, zeigt sich erst, wenn sie ausläuft. Bis dahin jubelt der Minister. Und der Steuerzahler fährt mit, auch wenn er selbst kein neues Auto kauft.

Quellen: tagesschau.de, „100.000 Antragsteller profitieren von E-Auto-Prämie“, 05.10.2026 (tagesschau.de/inland/innenpolitik/e-auto-praemie-126.html), mit Zitaten von Carsten Schneider aus der „Bild“; energie-fachberater.de, Update 13.04.2026, zur befristeten Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel.

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