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ARD/ZDF-Medienstudie 2026: KI wöchentlich bei 37 Prozent Skepsis bleibt

Tabloid-Illustration mit Fernseher und Smartphone, Überschrift 37 PROZENT.

KI im Alltag, Google bleibt, und die Hälfte glaubt den Antworten nicht so recht

Die ARD/ZDF-Medienstudie 2026 vermisst, wie Deutschland scrollt, streamt und sucht. Feldzeit: 27. Januar bis 19. April 2026, 2.462 deutschsprechende Personen ab 14 Jahren. Der auffälligste Sprung sitzt bei den KI-Diensten. Und er kommt mit einem Widerspruch: Nutzung steigt, Skepsis bleibt.

KI: gelegentlich 59, wöchentlich 37

59 Prozent nutzen KI-Dienste zumindest gelegentlich. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 92 Prozent, ab 70 Jahren 15 Prozent. Mindestens wöchentlich greifen 37 Prozent zu – nach 22 Prozent im Vorjahr. Unter 30: 68 Prozent. 30 bis 49: 48 Prozent. 50 bis 69: 24 Prozent. Ab 70: 8 Prozent.

Das ist kein Nischenhobby mehr. Das ist Altersbruch. Wer unter 30 ist, redet mit Maschinen so selbstverständlich wie frühere Generationen mit der Suchleiste. Wer über 70 ist, bleibt weitgehend außen vor. Die Mitte dazwischen zieht nach, aber nicht gleichmäßig.

Suchmaschinen sterben nicht – Nachschlagewerke auch nicht

Trotz ChatGPT und Co. bleiben Suchmaschinen mit 84 Prozent wöchentlicher Nutzung die meistgenutzte erfasste Internetanwendung. Wikipedia und andere Online-Nachschlagewerke steigen von 35 auf 39 Prozent. Mehr KI heißt bislang nicht weniger Google. Eher: zusätzlich. OnlineMarketing.de hält fest, dass sich Suche und KI ohnehin schwer trennen lassen, weil KI längst in Google steckt.

Wer also eine Ablösung der klassischen Recherche durch den Chatbot erwartet hat, findet in der Studie vorerst keine Beerdigung. Er findet Aufwuchs neben dem Alten.

Skepsis: 54 Prozent, Quellen erwünscht, Transparenz mäßig

54 Prozent begegnen KI-Ergebnissen skeptisch und sehen die Dienste eher als Werkzeuge, deren Antworten im Zweifel geprüft werden sollten. 81 Prozent halten Quellenangaben für wichtig oder sehr wichtig. Aber nur 43 Prozent der KI-Nutzer empfinden die Angaben bislang als transparent.

Das ist die eigentliche Verwunderung: Die Nutzung explodiert bei den Jüngeren, das Vertrauen in die Ausgabe hält nicht Schritt. Man tippt rein, man liest mit, man glaubt nicht alles. Publisher und öffentlich-rechtliche Häuser hören daraus eine Aufgabe – Sichtbarkeit als Quelle in KI-Antworten, Einordnung, Medienkompetenz. Florian Hager vom HR wird in der Auswertung genau in diese Richtung zitiert.

Social Media: Instagram vorn, Facebook und TikTok verlieren

Bei Social Media gibt es 2026 kaum Wachstum. Instagram bleibt vorn: 40 Prozent wöchentlich, 28 Prozent täglich. Facebook kommt auf 28 Prozent und verliert drei Punkte. TikTok liegt bei 18 Prozent und gibt zwei Punkte ab. Snapchat 13, Pinterest 11, LinkedIn 8 Prozent.

Der Altersgraben ist tiefer als der Plattformunterschied. 91 Prozent der 14- bis 29-Jährigen nutzen Social Media mindestens wöchentlich, 72 Prozent täglich. Bei 30 bis 49 noch 74 Prozent wöchentlich, danach fällt es auf 53 Prozent (50–69) und 22 Prozent ab 70.

YouTube, Streaming, Podcasts

YouTube bleibt beim Video mit 71 Prozent die meistgenutzte Plattform. Podcasts erreichen stabil 25 Prozent wöchentlich – nach dem Wachstum der Vorjahre kein weiterer Sprung. Radio und Musik-Streaming liegen klar davor; Podcasts sind trotzdem kein Nischenformat mehr, vor allem unter 50.

Bei den Unter-30-Jährigen entfallen 88 Prozent der Videozeit auf non-lineare Angebote. Ab 70 sind 93 Prozent der Videozeit linear. Zwei Medienwelten, eine Studie.

Was daraus folgt

Die Medienstudie 2026 erzählt keine einfache Erfolgsstory der KI. Sie erzählt Parallelität: KI steigt, Suche bleibt, Nachschlagewerke legen zu, Skepsis bleibt Mehrheitsphänomen, Quellen werden gewollt und oft nicht transparent gefunden. Social Media stagniert an der Spitze, verliert bei Facebook und TikTok, und spaltet sich nach Alter.

Wer daraus nur „die Jugend chattet mit Bots“ macht, verkürzt. Wer daraus nur „alles bleibt beim Alten“ macht, übersieht die 37 Prozent wöchentlicher KI-Nutzung nach 22 Prozent im Vorjahr. Beides steht in denselben Tabellen. Man darf sich wundern, dass beides gleichzeitig wahr ist.

Was die Zahlen für Medien und Alltag bedeuten

Wenn 81 Prozent Quellenangaben wichtig finden und nur 43 Prozent der Nutzer sie als transparent erleben, entsteht eine Lücke. Genau in diese Lücke stoßen Fragen nach Deepfakes, Einordnung und der Rolle öffentlich-rechtlicher Angebote. Die Studie selbst liefert dafür den empirischen Boden: KI wird massenhaft genutzt, aber nicht blind geglaubt.

Parallel bleibt das klassische Internet robust. 84 Prozent wöchentliche Suchmaschinennutzung, plus steigende Nachschlagewerke. Die digitale Öffentlichkeit 2026 ist also kein Entweder-oder. Sie ist ein Sowohl-als-auch mit Generationenbruch. Unter 30: KI und Social fast flächendeckend. Ab 70: deutlich weniger KI, deutlich mehr lineares Video.

Instagram hält die Social-Führung, ohne dass die Plattformlandschaft insgesamt wächst. Facebook und TikTok verlieren Punkte. YouTube bleibt Videoprimus. Podcasts bleiben bei 25 Prozent wöchentlich stehen. Wer nur auf den nächsten Hype starrt, verpasst diese Plateau-Phasen. Wer nur Plateau sieht, verpasst den KI-Sprung von 22 auf 37 Prozent wöchentlicher Nutzung.

Die Medienstudie 2026 ist deshalb weniger eine Trend-Parade als eine Bestandsaufnahme paralleler Wirklichkeiten. Man darf sich wundern, dass Skepsis und Intensivnutzung so gut nebeneinander leben. Man muss es nicht schönreden. Die Zahlen stehen.

Feldende war der 19. April 2026. Die Zahlen sind also kein Tagesgeschäft vom Oktober, sondern der Stand eines längeren Fensters. Genau deshalb eignen sie sich als Bestandsaufnahme: nicht als Hype-Momentaufnahme, sondern als Beleg, wie tief KI schon in den Wochenrhythmus eingezogen ist – und wie tief die Zweifel geblieben sind.

Quellen: OnlineMarketing.de, 24.09.2026, „ARD/ZDF-Medienstudie 2026: So scrollt, streamt und sucht Deutschland“ (onlinemarketing.de/cases/ard-zdf-medienstudie-2026-mediennutzung-deutschland); ARD/ZDF-Forschungskommission, Feld 27.01.–19.04.2026, n=2462 ab 14 Jahren.

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