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Wüst 47, Söder 26: Der Kanzler-Favorit, den vor allem die Konkurrenz mag

Comic mit zwei Balken, ein hoher weißer Balken mit 47 Prozent Wüst und ein niedriger blauer Balken mit 26 Prozent Söder, darüber eine goldene Krone mit Fragezeichen, daneben Sterne mit Merz 87 Prozent unzufrieden und 43 Prozent sagen keiner besser

Neue Umfragen zur Merz-Nachfolge zeigen einen klaren Favoriten und ein merkwürdiges Muster

Offiziell gibt es keine K-Frage. Friedrich Merz ist Kanzler, die Koalition hat gerade wieder Einigkeit beschworen. Inoffiziell wird in Deutschland längst über seinen Nachfolger abgestimmt. Nicht im Bundestag, sondern in Umfragen. Und die zeigen in dieser Woche einen Trend, der die Union eigentlich nervös machen müsste.

Im RTL/ntv-Trendbarometer halten 47 Prozent der Befragten, die ihn kennen, Hendrik Wüst für kanzlertauglich. Bei Markus Söder sind es 26 Prozent. Der Abstand ist gewaltig. Und er ist fast überall gleich: im Westen, im Osten, bei Jungen und Alten.

Der Bayer, den alle kennen und wenige wollen

Söder hat einen Vorteil. Ihn kennt fast jeder. 95 Prozent der Befragten geben an, ihn zu kennen. Bei Wüst sind es 75 Prozent. Das ist allerdings auch Söders Problem. Von denen, die ihn kennen, halten ihn 70 Prozent für ungeeignet. Bei Wüst sind es 41 Prozent.

Besonders bitter für den CSU-Chef ist der Blick nach Hause. In Bayern können sich nur 37 Prozent Söder als Kanzler vorstellen. Wüst kommt in Nordrhein-Westfalen auf 50 Prozent. Der Mann, der in Bayern seit Jahren die Bierzelte füllt, überzeugt nicht einmal die Mehrheit der eigenen Landsleute.

Auch bei den Anhängern der Union liegt Wüst vorn. 57 Prozent halten ihn für geeignet, bei Söder sind es 41 Prozent. So weit, so klar.

Jetzt wird es merkwürdig

Seltsam wird es bei den anderen Parteien. Wüst ist nämlich bei den Anhängern von Grünen und SPD beliebter als bei den eigenen Leuten. 63 Prozent der Grünen-Anhänger halten ihn für kanzlertauglich. Bei der SPD sind es 58 Prozent. Selbst 37 Prozent der Linken-Wähler können ihm etwas abgewinnen. n-tv schreibt dazu, das seien Werte, die an Angela Merkel erinnern.

Söder dagegen fällt bei Grünen und Linken glatt durch. 9 Prozent bei den Grünen, 12 Prozent bei den Linken, 21 Prozent bei der SPD. Seine besten Werte außerhalb der Union holt er bei der AfD. Dort halten ihn 28 Prozent für kanzlertauglich. Wüst kommt bei AfD-Anhängern auf 8 Prozent.

Man muss sich das kurz vorstellen. Hier der Christdemokrat mit den besten Noten bei Grünen und SPD. Dort der Christsoziale mit den besten Noten bei der AfD. Die Union hat damit zwei Kandidaten für zwei verschiedene Wählerschaften. Nur nicht unbedingt für ihre eigene.

Die zweite Umfrage dreht das Bild

Ganz so eindeutig ist die Lage aber nicht. Der Spiegel-Ipsos-Politikmonitor hat anders gefragt. Er wollte wissen, wer ein besserer Kanzler als Merz wäre. Dort liegt Söder mit 20 Prozent vor Wüst mit 16 Prozent. CSU-Mann Alexander Dobrindt folgt mit 5 Prozent.

Die größte Gruppe aber wählt niemanden. 43 Prozent sagen, keiner der Genannten sei besser geeignet. Das ist die eigentliche Pointe. Fast die Hälfte der Befragten traut der ganzen Riege nicht mehr zu als dem amtierenden Kanzler. Und dem traut kaum noch jemand etwas zu.

Merz im Keller

Denn die Werte für Merz sind miserabel. Laut Forsa sind nur 11 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, 87 Prozent sind es nicht. Selbst unter Anhängern von CDU und CSU sind nur 39 Prozent zufrieden. Im Spiegel-Ipsos-Politikmonitor stimmen 48 Prozent vollständig der Aussage zu, seine Kanzlerschaft sei gescheitert. Weitere 19 Prozent stimmen eher zu. 44 Prozent sagen voll und ganz, er solle zurücktreten.

Die Union kommt im Trendbarometer nur noch auf 19 Prozent. Die AfD liegt bei 26 Prozent. Und die Grünen sind mit 17 Prozent nur noch zwei Punkte hinter der Union. Seit Januar haben sie laut Forsa fünf Punkte gewonnen. Die SPD steht bei 14 Prozent.

Das ist der Hintergrund, vor dem die K-Frage gespielt wird. Eine Kanzlerpartei unter 20 Prozent. Ein Kanzler, mit dem neun von zehn unzufrieden sind. Und zwei mögliche Nachfolger, die sich laut n-tv gegenseitig blockieren sollen.

Merkel-Kurs oder AfD-Kurs

Hinter den Zahlen steht eine Richtungsfrage. Wüst steht für eine Union der Mitte. Er regiert in Düsseldorf mit den Grünen und hat sich dafür ausgesprochen, ein AfD-Verbotsverfahren zu prüfen. Söder setzt eher darauf, die AfD inhaltlich zu stellen und ihre Wähler zurückzuholen. Jahrelang hat er sich an den Grünen abgearbeitet.

n-tv beschreibt Wüsts Profil als Rückkehr zur Merkel-Strategie. Das Ziel, AfD-Wähler zurückzugewinnen, wäre mit ihm wohl aussichtslos. Söder hätte dort bessere Chancen. Aber zumindest laut dieser Umfrage wäre das sein einziger Vorteil.

Die Union steht damit vor einer unbequemen Wahl. Will sie Menschen erreichen, die heute grün oder rot wählen? Oder die, die zur AfD abgewandert sind? Beides gleichzeitig hat Merz versucht. Das Ergebnis steht oben.

Was bleibt

Umfragen sind keine Wahlen. Und eine Kanzlerkandidatur wird nicht im Trendbarometer entschieden, sondern in Hinterzimmern in Berlin und München. Trotzdem ist der Trend eindeutig. Merz verliert, die Union verliert, und die Diskussion über seine Nachfolge verschwindet nicht.

Verwunderlich bleibt die Logik dahinter. Der beliebteste Unionspolitiker ist der, den die politische Konkurrenz am meisten mag. Und die größte Gruppe der Befragten wünscht sich niemanden. Vielleicht ist das die ehrlichste Zahl dieser Woche. Die Deutschen wollen nicht Wüst oder Söder. Sie wollen, dass irgendwas besser wird.

Quellen

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