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Vertrauen in Staat und Medien: Die Mehrheit glaubt den Offiziellen nicht mehr

Leerer Plenarbereich mit unbesetzten Stühlen, Rednerpult und ausgeschalteten Bildschirmen. Im Vordergrund Mikrofonständer und ungelesene Zeitungen.

28 Prozent vertrauen der Bundesregierung, 17 den Parteien, 22 den Medien. Karlsruhe hält sich besser. Der Rest der Republik wirkt wie eine Behörde, der man die Akte nicht mehr gibt.

Vertrauen ist ein Wort, das in Sonntagsreden noch vorkommt. In den Zahlen kommt es kaum noch vor. Allensbach hat für die Frankfurter Allgemeine gemessen, wie viel Kredit Staat, Parteien und Medien in Deutschland noch haben. Der Bundesregierung trauen 28 Prozent. Den Parteien 17. Den Medien 22. Dem Bundestag 36. Das Bundesverfassungsgericht kommt auf 63 Prozent, nach 81 Prozent im Jahr 2021. Das ist der Restposten mit Mehrheit. Alles darunter ist bereits abgeschrieben.

Die Zahlen sind nicht von heute morgen. Allensbach hat sie Ende 2025 erhoben, mündlich, gut tausend Leute, Auftrag FAZ. Am 15. September 2026 liegen sie wieder in den Blättern, als wäre der Befund frisch. Er ist es nicht. Er ist nur unerledigt. Wer sie neben das aktuelle Forsa-Trendbarometer legt, sieht dasselbe Möbelstück von der anderen Seite. Mit der Arbeit von Kanzler Friedrich Merz sind zehn Prozent zufrieden. 88 Prozent nicht. 55 Prozent trauen keiner Partei zu, die Probleme des Landes zu lösen. Die Union steht bei 20 Prozent, die AfD bei 27. Das ist keine Stimmung. Das ist ein Betriebszustand.

Allensbach-Umfrage: Regierung, Parteien, Medien im Keller

Thomas Petersen hat die Reihe für Allensbach in der FAZ so zusammengefasst, dass man sie nicht schönreden kann. Die meisten staatlichen Institutionen haben keine Mehrheit mehr hinter sich. Bundesrat 42 Prozent. Bundestag 36. Regierung 28. Medien 22. Parteien 17. Nur Karlsruhe ragt noch heraus, und selbst dort bröckelt es. Von 81 auf 63 in vier Jahren. Ein Gericht, das als Bollwerk galt, wird zur relativ anständigsten Adresse in einem Haus, dessen andere Stockwerke schon räumen.

Seit 2021 sind zwei Regierungen durchs Bild gelaufen. Der Absturz der Bundesregierung um 20 Punkte überlebt beide. Wer das nur der Ampel in die Schuhe schiebt, muss erklären, warum Schwarz-Rot denselben Geruch hat. Wer es nur Merz anlastet, muss erklären, warum die Parteien als Gattung bei 17 Prozent stehen. Das ist kein Personalproblem. Das ist ein Gattungsproblem. Die Firma heißt Politik, und die Kundschaft kündigt innerlich.

Die Medien stehen kaum besser da. 2021 noch 39 Prozent Vertrauen in Zeitungen, Zeitschriften, Online, Radio, Fernsehen. Jetzt 22. Dieselben Redaktionen, die den Vertrauensverlust der anderen vermessen, gehören zur Messreihe. Das hat etwas von einem Arzt, der den Fieberzettel vorliest und selbst 39,2 hat. Man kann das den sozialen Netzen in die Schuhe schieben, den Wutbürgern, der AfD. Man kann auch prüfen, ob Leute aufhören zu glauben, wenn sie zu oft belehrt statt unterrichtet werden. Die Umfrage entscheidet das nicht. Sie zeigt nur das Ergebnis.

Forsa-Trendbarometer: Merz bei zehn Prozent, keine Partei gilt als Problemlöser

Forsa hat vom 8. bis 14. September 2502 Leute befragt. AfD 27, Union 20, Grüne 18, SPD und Linke je 12. Merz: zehn Prozent zufrieden, Tiefstwert der Amtszeit. Sogar unter Unionsanhängern überwiegt die Kritik. Bei der Frage, wer die Probleme lösen kann, führt die AfD mit 13 Prozent. Die CDU kommt auf 11. Die Mehrheit sagt: keiner.

Das ist die höfliche Form des Staatsbankrotts im Kopf. Niemand stürmt das Kanzleramt. Man füllt nur keinen Vertrauensscheck mehr aus. Die Institutionen arbeiten weiter, die Pressekonferenzen auch, die Erklärungen über Zusammenhalt und Resilienz sowieso. Nur die Adressaten haben innerlich die Zuständigkeit abgegeben. Wer keiner Partei die Lösung zutraut, erwartet von der nächsten Rede nichts mehr. Er wartet ab, oder er sucht sich eine Adresse außerhalb des üblichen Sortiments.

Allensbach hat denselben Schwund schon vorher an anderen Stellen gesehen. Im Februar 2026 sagten 72 Prozent, das Leben sei gefährlicher als vor zwanzig, dreißig Jahren. 2011 waren es 49. Renate Köcher hat den Staat als unberechenbar beschrieben: Regeln, die kommen und wieder kippen, Heizung, Auto, Rente. Wer die Vorschrift nicht halten kann, weil sie sich selbst nicht hält, stellt das Vertrauen ab. Nicht aus Ideologie. Aus Erfahrung.

Warum Karlsruhe noch steht und der Rest wackelt

Das Verfassungsgericht profitiert vom Kontrast. Es tagt selten. Es erklärt nicht dauernd, was man zu fühlen hat. Es fällt Urteile, die wehtun können, und geht wieder. Regierung und Parteien tun das Gegenteil. Sie sind dauernd im Bild. Jede Enttäuschung hat ein Gesicht. Jede Kehrtwende hat ein Mikrofon. Die Medien liefern beides und wundern sich, wenn sie mitgeliefert werden.

Man darf das nicht in den Märchen vom sofortigen Systemkollaps übersetzen. 63 Prozent für Karlsruhe heißen: Ein Teil des Staates gilt noch als Instanz. 36 Prozent für den Bundestag heißen: Das Parlament ist nicht tot, nur blass. 28 Prozent für die Regierung heißen: Die Mehrheit hält sie nicht für glaubwürdig. Das reicht, um weiterzuregieren. Es reicht nicht, um noch zu überzeugen.

Die naheliegende Reaktion der Betroffenen ist immer dieselbe. Mehr Erklärung. Mehr Kampagne. Mehr Warnung vor denen, die vom Schwund leben. Allensbach misst den Schwund trotzdem weiter. Forsa auch. Die Zahlen ändern sich in der Richtung kaum, nur in der Dezimalstelle. Irgendwann ist das keine Krise mehr, die man aussitzt. Es ist der Normalzustand einer Republik, in der Amt und Glauben sich getrennt haben.

Wer dann noch von Vertrauen redet, redet über ein Wort aus dem Prospekt. Die Kundschaft hat den Laden schon verlassen. Sie kommt nur noch vorbei, wenn sie muss. Wählen zum Beispiel. Oder den Speiseplan in der Schulmensa lesen. Beides fühlt sich inzwischen ähnlich an: vorgegeben, erklärt, alternativlos. Und hinterher wundert sich jemand, dass 17 Prozent den Parteien noch über den Weg trauen.

Quellen

  1. Thomas Petersen, IfD Allensbach in der FAZ, 11.12.2025: Vertrauen Bundesregierung 28 Prozent, Bundestag 36, Medien 22, Parteien 17, Bundesverfassungsgericht 63 nach 81 Prozent 2021. https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-umfrage-weniger-deutsche-vertrauen-dem-bundesverfassungsgericht-110800824.html
  2. Bundestag-Drucksache 21/6651, 23.06.2026: Allensbach-Erhebung 23.10. bis 06.11.2025, 1011 Befragte, dieselben Werte, Vergleich 2021 Regierung 48 Prozent, Medien 39 Prozent.
  3. Weltwoche, 15.09.2026: erneute Verbreitung der Allensbach-Zahlen. https://weltwoche.ch/daily/staat-parteien-medien-nie-war-das-vertrauen-der-deutschen-kleiner/
  4. WELT / Forsa-Trendbarometer, 15.09.2026: Erhebung 8. bis 14.09.2026, 2502 Befragte, AfD 27, Union 20, Merz-Zufriedenheit 10 Prozent, 55 Prozent trauen keiner Partei die Problemlösung zu. https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aa9393477bd109fcdd020d9/umfrage-gruene-nur-noch-zwei-punkte-hinter-cdu-csu-merz-beliebtheitswert-faellt-auf-neuen-tiefstand.html
  5. IfD Allensbach, FAZ-Monatsbericht „Unberechenbarer Staat“, Renate Köcher, 31.01.2026. https://www.ifd-allensbach.de/studien-und-berichte/faz-monatsberichte.html
  6. IfD Allensbach, FAZ-Monatsbericht „Eine Welt aus den Fugen“, Februar 2026: 72 Prozent empfinden das Leben als gefährlicher als vor 20 bis 30 Jahren.

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